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Ruhe hier, mein Geist, ein wenig ist ein protestantisches Kirchenlied von Gerhard Tersteegen.

Text

Ruhe hier, mein Geist, ein wenig
und beschau dies Wunder groß,
wie dein Herr und Ehrenkönig
hängt am Kreuze bleich und bloß,
den sein Lieben hat getrieben
zu dir aus des Vaters Schoß!

Ob dich Jesus liebt von Herzen,
kannst du hier am Kreuze sehn:
schau, wie alle Höllenschmerzen
ihm bis in die Seele gehn,
Fluch und Schrecken ihn bedecken,
Todeslüfte um ihn wehn.

Dies sind meiner Sünden Früchte,
die, mein Heiland, ängsten dich;
dieser Leiden schwer Gewichte
sollt zum Abgrund drücken mich;
diese Nöten, die dich töten,
sollt ich fühlen ewiglich.

Doch du hast für mich besieget
Sünde, Tod und Höllenmacht;
du hast Gottes Recht genüget,
seinen Willen ganz vollbracht,
durch dein Sterben mich zum Erben
deines Lebens dort gemacht.

Ach ich Sündenkind der Erden!
Jesu, stirbst du mir zugut?
Soll dein Feind erlöset werden
durch dein eigen Herzensblut?
Ich muss schweigen und mich beugen
für dies unverdiente Gut.

Seel und Leben, Leib und Glieder,
alles gibst du für mich hin;
sollt ich dir nicht schenken wieder
alles, was ich hab und bin?
Ich bin deine ganz alleine;
dir verschreib ich Herz und Sinn.

Zieh durch deines Todes Kräfte
mich in deinen Tod hinein;
lass mein Fleisch und sein Geschäfte,
Herr, mit dir gekreuzigt sein,
dass mein Wille sanft und stille
und die Liebe werde rein.

Lass in allen Leidenswegen
deine Leiden stärken mich,
dass mein Leiden mir zum Segen
mag gedeihen stetiglich,
dass mein Herze auch im Schmerze
ohne Wanken liebe dich.

Wenn mich schrecken meine Sünden,
wenn mich Satans List anficht,
ich nicht Kraft noch Gnad kann finden,
wollst du mich verlassen nicht;
lass dein Sterben mir erwerben
Trost im Tod und im Gericht.

Jesu, nun will ich ergeben
meinen Geist in deine Hand;
lass mich dir alleine leben,
bis ich nach dem Leidenstand
bei dir wohne, mit der Krone
dich beschau im Vaterland.

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