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O großer Geist, des Welten alles füllet ist ein protestantisches Kirchenlied von Johann Jakob Rambach.

Text

O großer Geist, des Wesen alles füllet,
und den kein Ort in seine Grenzen hüllet;
der unumschränkt sich niedersenkt
mit seiner Kraft, in alle Dinge,
dem nichts zu groß, nichts zu geringe!

Kein Salomo kann einen Tempel bauen,
von welchem man dich könnt' umschlossen schauen.
Dein bloßer Saum füllt dessen Raum:
Es muss selbst Himmel, Meer und Erden,
ein Schauplatz deiner Ehre werden.

Will unser Fuß hinauf in Wolken steigen,
so wird dein heller Glanz daselbst sich zeigen.
steigt er hinab zu Höll' und Grab,
senkt er sich zu des Meeres Gründen:
So wird er dich, du ihn da finden.

Dein Auge sieht, was Nacht und Abgrund decken;
es kann sich nichts vor deinem Licht verstecken.
Es dringet ein in Mark und Bein,
und der verborgne Sitz der Nieren
muss deine Flammenaugen spüren.

Du weißt und hörst, was deine Kinder beten:
Du siehst, wenn sie verborgen vor dich treten.
Macht gleich ihr Mund nicht alles kund,
es kannst du selbst des Herzens Sehnen
mit Segen und Erhörung krönen.

Vor Menschen bleibt jetzt manches Tun verborgen;
dir aber ist die Nacht ein klarer Morgen,
und dein Gericht wird an das Licht
und an die helle Sonnen bringen,
was finstre Wolken jetzt umringen.

O Auge! das nicht Trug und Falschheit leidet,
wohl dem, der auch verborgne Sünden meidet,
der los und frei von Heuchelei,
vor dir und Menschen redlich handelt,
und unter deiner Aufsicht wandelt!

Erforsche selbst die innersten Gedanken,
ob sie vielleicht von deiner Richtschnur wanken
Lenk Herz und Sinn zur Wahrheit hin!
Sei du der Leitstern meiner Füße,
bis ich, mein Licht, die Augen schließe!

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